Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen im aktuellen Fokus des Bundesforums Mittelstand

Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen im aktuellen Fokus des Bundesforums Mittelstand

Russische und deutsche Flagge ineinander verzahnt

POLYTECH-TREFFEN 2020 „Deutschland-Russland: Digitale Transformation“

Am 07. Februar ging es beim POLYTECH-TREFFEN 2020 um „Deutschland-Russland: Digitale Transformation. Dialog zwischen Universitäten und Industrie“. Ein hochkarätiges Treffen in der russischen Handelsvertretung mit einer brillanten Präsentation der Kapazitäten und Angebote der Sankt Petersburger Polytechnischen Universität, gerichtet an deutsche Universitäten und Firmen. Von deutscher Seite hoch gewürdigt von Michael Harms, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung des Ostausschusses/Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft. Das russische Humankapital auf dem IT-Sektor ist weltweit anerkannt. Auch wenn es von russophoben politischen und medialen Stimmen oftmals auf Hackerqualitäten reduziert wird. Russische IT-Spezialisten sind jedenfalls auch ein Gewinn für deutsche Firmen, sowohl als Angestellte als auch in vertraglicher Kooperation zwischen deutschen und russischen Firmen. Wir beraten Sie gerne!

  1. Russlandkonferenz der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer „Innovation als Wachstumsmotor“

Am 18. Februar ging es auf der 7. Russlandkonferenz der Deutsch-Russischen AHK um „Innovation als Wachstumsmotor“. Im Gegensatz zu den letzten Jahren reichten die beiden Säle im Haus der Deutschen Wirtschaft kaum aus. Die Einleitungen durch den deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier und den russischen Minister für Industrie und Handel Denis Manturov sowie das Statement vom Präsidentenberater für Wirtschaft Maksim Oreshkin brachten es auf den Punkt: Russland gehört zu Europa und Europa braucht Russland zur souveränen wirtschaftlichen Entwicklung. Deshalb gab es auch weitere Unterschriften namhafter deutscher Firmen unter das Memorandum „Einheitlicher Wirtschaftsraum von Lissabon bis Vladivostok“.

So deutlich wie nie erklang die Forderung nach Abbau der europäisch-russischen Sanktionsspirale. So deutlich wie nie wurden die amerikanischen Sanktionen als unberechenbar, antirussisch und antieuropäisch gekennzeichnet. Am deutlichsten äusserte sich der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Mecklenburg-Vorpommern Christian Pegel. Er stellte aber auch den Irrsinn deutscher und europäischer Parlamentarier und Politiker bloß, die aus russophober und transatlantischer Arroganz sich gegen lebensnotwendige Kooperationen mit Russland, insbesondere auf dem Energiesektor wenden.

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer: Mehr Freiheit wagen

Trotzdem blieb der Eindruck, dass die obere deutsche Politikebene weiter vor sich hin werkelt und weder die Gefahren der chinesischen Virusattacke auf die Weltwirtschaft noch der US-amerikanischen wirtschafts- und finanzpolitischen Attacke auf die Globalisierung erfasst und sich nicht entschlossen genug europäische Bündnispartner in Ost und West sucht, um das Wohlergehen des deutschen Volkes nachhaltig zu schützen. Darüber tröstet auch nicht hinweg, dass wir im Narrenmonat sind. Das deutsche Narrenschiff nimmt Kurs weg von der Insel der Glückseligen auf das digitale Bermudadreieck. Selbst die seit Jahren geforderten Visaerleichterungen insbesondere für junge Menschen werden von der Bundesregierung nicht energisch betrieben, sondern lediglich von der Gebetsmühle an der Maas wiederholt. Mehr Freiheit wagen forderte deshalb die deutsch-Russische AHK in aller Klarheit. Das ist auch im Sinne unseres Verbandes.

Sanktionen- und Regulierungsbestimmungen erfordern Expertenwissen

Sehr deutlich wurde dagegen, dass die Regierungsumbildung in Russland zu mehr Expertise und zu klareren Ansagen für eine Stimulation der einheimischen Wirtschaft und unter Nutzung der Innovationskraft deutscher Unternehmen führt. Erste Anpassungen der Lokalisierungsforderungen werden sichtbar. Investitionsgrenzen werden gesenkt, um auch kleineren und mittelständischen Betrieben Chancen zu geben. Andererseits fordert die russische Regierung Kooperations- und Liefersicherheit gegen ausländische politische Kapriolen. Das muss ausdiskutiert und auf Augenhöhe verhandelt werden. Jedenfalls scheint die Sprachlosigkeit der letzten Jahre überwunden. Eine Sprachlosigkeit, die es aber in den Wirtschaftsverbänden nie wirklich gegeben hat, auch wenn manche Personen Mühe hatten sich vom gestreamten Mediensprech zu entfernen.

In den Diskussionen und Seminaren der 7. Russlandkonferenz zeigte sich jedoch sehr deutlich, dass die an Kooperation interessierten Firmen auf beiden Seiten unbedingt Hilfestellungen für die Geschäftsanbahnung und -abwicklung brauchen. Die Unterschiede in der Geschäftskultur und der nicht einfacher werdende Dschungel von Sanktions- und Regulierungsbestimmungen ist ohne Expertenunterstützung nur schwer zu bewältigen. Umso weniger von kleinen und mittelständischen Betrieben, die immer mehr adäquate Partnerfirmen in den verschiedenen Regionen Russlands finden können, wenn sie denn wollen. In diesem Sinne war die 7. Russlandkonferenz auch für unser Bundesforum Mittelstand ein Gewinn, weil wir unsere zum Teil langjährigen Kontakte zu anderen Wirtschaftsverbänden und Experten in Deutschland und Russland festigen und erweitern konnten. Dieses „come together“ ist ein Plus für alle unsere Mitglieder, die nicht nur Russland im Fokus haben.

Dr. Siegfried Fischer

Berlin, den 19.02.2020

Dr. Siegfried Fischer

Verbandsbeauftragter Russland

Des Bundesforums Mittelstand e.V.

Kommentar zur Nordstream 2 Pipeline

Nordstream 2 - US-Sanktionen blockieren russische Ostsee-Pipeline

Ein Kommentar von Dr. Siegfried Fischer

1. Am gleichen Tag, als der Gastransport durch die Ukraine für die nächsten 5 Jahre durch deutsche und europäische Vermittlung vereinbart wurde, unterschrieb Trump den „National Defense Authorization Act“, der den Abschnitt „Protecting Europe’s Energy Security Act of 2019“ enthält und der Nord Stream 2 als russisches Projekt zur Bedrohung Europas bezeichnet.

Um nicht in die gleiche missliche Lage wie die Reagan-Administration 1981 mit ihren letztlich gescheiterten Sanktionen gegen die Euro Siberian Pipeline zu kommen, zu denen Margaret Thatcher sagte „I feel deeply wounded by a friend“, hat die US Administration diesmal aus Fehlern gelernt und die Sanktionen nicht gegen Staaten gerichtet, sondern gegen schutzlose Privatfirmen, insbesondere gegen die Swiss Allseas Group, die die letzten fehlenden Kilometer der Pipeline Nord Stream 2 mit ihren beiden Spezialschiffen in 30 Tagen verlegen könnte.

Da Allseas von den beiden Initiatoren dieser Sanktionen, den Senatoren Ted Cruze und Ron Johnson aus den beiden Fracking-Hochburgen Texas und Wisconsin, direkt und öffentlich mit der kommerziellen und finanziellen Vernichtung bedroht wurde, stellte Allseas sofort die Arbeit an der Pipeline ein. Allseas erklärte, dass die Firma auf regulatorische, technische und ökologische Anweisungen der betreffenden US-Behörde wartet. Das ist nur ein Vorwand, um das Gesicht zu wahren und keine Konventionalstrafe zu bekommen. Zwar ließe das betreffende Gesetz einen Zeitraum von 30 Tagen zu, würde aber bei nachgewiesenem Verstößen auch rückwirkend angewandt werden können. Außerdem gibt es in diesem Gesetz bewusst keinerlei regulatorische und technische Vorgaben, wie bei allen derartigen exterritorialen Sanktionen.

Fazit: Die Fertigstellung von Nord Stream 2 ist vorerst blockiert! Wenn es der Nord Stream 2 AG nicht gelingt, schnellstens adäquate Ersatzschiffe zu bekommen oder vielleicht die beiden Allseas Schiffe zu kaufen, dann wird viel Zeit ins Land gehen.

2. Der US-Botschafter in Deutschland Grenell sagte, dass dieses Gesetz kein antieuropäisches, sondern ein proeuropäisches sei, weil sich viele Europäer an die US-Regierung mit der Bitte um Hilfe gegen dieses deutsch-russische Projekt gewandt hätten. Das heisst also, dass russisches Gas, welches durch polnische und ukrainische Pipelines nach Europa kommt, bedroht Europas Sicherheit nicht, wohl aber das Gas, das durch Nord Stream und Turkish Stream kommt. Folglich ist diese Sanktion eine antirussische und antideutsche, die unsere polnischen und baltischen Partner sowie die Ukraine von den USA erbeten haben. Sie sind die wahren Verbündeten der USA in einem Europa, wo Frankreich und Deutschland zu eigenständig werden könnten. Somit wollen die Fracking Industry Vertreter Cruz und Johnson, die im Auswärtigen Ausschuss sitzen, nicht nur „ihr“ Flüssiggas nach Europa verkaufen, sondern auch in Übereinstimmung mit allen anderen republikanischen und demokratischen Hegemonialapologeten Europa von einer irgendwie gearteten Partnerschaft mit Russland abhalten.

“To keep Russia down” ist in den Augen dieser Strategen untrennbar verbunden mit „To keep Europe small enough to be leaded by America “, denn nur so erwächst in und mit Europa kein neuer konkurrierender bzw. eigenständiger Global Player.

Fazit: Diese Anti Nord Stream 2 Sanktion ist die perfekte Verbindung von US-amerikanischer Energiepolitik und Geopolitik und verdeutlicht den US-amerikanischen Hegemonialanspruch gegen Partner und potenzielle wie reelle Gegenspieler.

3. Die Bundesregierung verurteilt zwar den Eingriff in die inneren Angelegenheiten (ob nun mit Merkel’scher Klarheit oder Maasschem Weichspülersprech), will, wird und kann aber keine Gegensanktionen verhängen. Zum einen gibt es genügend deutsche Transatlantiker, die das Projekt von Anfang an bekämpften und sich nun für diese Unterstützung bedanken. Sei es aus Amerikahörigkeit, sei es aus Angst, dass die neuen amerikahörigen Osteuropäer Deutschlands Position schwächen könnten.
Zum anderen kann die deutsche Regierung deutsche Unternehmen nicht in einer von der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzkraft dominierten Weltwirtschaft schützen, weil sie seit Jahren zumeist saft- und kraftlos auf der internationalen politischen Bühne agiert und die wirtschaftliche Stärke des Landes nicht als Aktivposten einsetzt. Das Gleiche gilt noch viel mehr für die Europäische Union, die wirtschaftlich kraftlos, innenpolitisch zerstritten und außenpolitisch ein Popanz ist. Hinter der sprachlichen Verurteilung der neuen Sanktion gegen eine legale europäische Firma als Eingriff in die europäische Souveränität, steht nichts als leere Luft.

Fazit: Weder die Bundesrepublik Deutschland noch die EU besitzen ausreichende reale Souveränität, um die von ihnen definierten eigenen Interessen gegen US-amerikanische Übergriffe zu schützen.

4. Russland gibt sich zwar kämpferisch in Worten, hat es aber in den letzten Jahren nicht verstanden, mit einer flexiblen Energie- und Geopolitik die US-amerikanische Dominanz und Allianz geschickt zu unterlaufen. Das ist aber ein eigenes Thema, das ich in der Kürze nicht behandeln kann und will.

Berlin, den 23.12.2019

Dr. Siegfried Fischer
Senior Fellow
Institut für Internationale Politik

Russlandhandel im Wandel – Ein Kommentar von Russlandexperte Dr. Siegfried Fischer

Russlandhandel im Wandel

Ein Kommentar von Russlandexperte Dr. Siegfried Fischer

Trotz aller Krisen und Konflikte hat sich bis in die heutige Zeit die Wirtschaft als stärkste Brücke zwischen Russland und der EU erwiesen.“

So heisst es im Positionspapier des Ostausschusses/Osteuropavereins vom Januar 2019, welches eine neue Agenda für die europäisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen anregt.

Was hindert uns an der Entwicklung?

Erstens: Solange die Bundesregierung mit ihrem Festhalten an der antirussischen Sanktionspolitik die Interessen auch und vor allem mittelständischer Unternehmen und deren Angestellten schädigt, müssen deutsche Unternehmer und deren Verbände einen politischen Kurswechsel einfordern, der dem wirtschaftlichen Gewicht und den wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in der EU und der Welt entspricht. Dazu gehört sowohl eine massive Verurteilung der exterritorialen Anwendung der US-Sanktionsgesetze als völkerrechtswidrig, als auch das Eintreten für die Beendigung der EU-Wirtschaftssanktionen.

Zweitens: Insbesondere die Bundesregierung hat nicht nur zugelassen, dass eine überbordende Bürokratie nationaler und europäischer Herkunft den Stein auf dem geplagten klein- und mittelständischen Sisyphus immer schwerer macht, sondern außerdem weder die reale noch die digitale Infrastruktur an den neuen Schwerlastbetrieb angepasst. Die deutschen KMU müssen immer mehr nichtproduktives Personal einstellen oder für schwer erarbeitetes Geld outsourcen. Das wird nun noch getoppt durch das Damoklesschwert sanktionsbedingter nationaler und völkerrechtswidriger amerikanischer Strafandrohungen.

Drittens: Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für das Russlandgeschäft bei vielen KMU ist eine interne Realitätsverweigerung der besonderen Art aus Ignoranz und Bequemlichkeit. Die reale Abwicklung des Russlandgeschäftes unterliegt einem ständigen Wandel, ob nun krisen- oder sanktionsbedingt oder einfach nur wegen des Drangs nach ständiger Selbstbefriedigung der bürokratisch-administrativen Strukturen auf beiden Seiten. Es geht um die ganze Palette wirtschaftlicher Unternehmungen in Russland aber insbesondere um den täglichen Wahnsinn der Export-Import-Abwicklung, was Unternehmer und keine Bedenkenträger braucht.

Wie geht man mit diesen Herausforderungen um?

Es war einmal in nichtferner Vergangenheit, als sich deutsche Unternehmer nicht fragen mussten, ob ihr ziviles Exportgut nach Russland in USD oder über Drittländer bezahlt wurde, ob es nicht vielleicht vom Militär genutzt werden könnte oder ob der oder die Gesellschafter der Empfängerfirma nicht ein- oder mehrstufig mit sanktionierten Personen verwandt sein könnten. In unserer schlimmen Vergangenheit musste man einen Ariernachweis erbringen. Heute kann die US-Justiz einen an Absurdität nicht zu überbietenden politischen Gentest verlangen. Und sie kann Firmen, die Exporte und Importe in USD und über Drittländer bzw. Korrespondenzbanken abwickeln, ruinieren. 

Ganz zu schweigen vom Umgang mit deren Eigentümern und Managern. Um einigen europäischen Firmen auf dem russischen Markt zu helfen, hatte ich als unbescholtener deutscher Bürger eine russische Firma gegründet und zum Beispiel Material für Sportstätten importiert und dieselben dann mit meinen russischen Mitarbeitern gebaut. Dazu gehörte u.a. eine Eisbahn, auf der auch Shoigu und Putin Eishockey spielten. Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viele Militärangehörige auf den beiden weltgrössten mobilen Eisbahnen Schlittschuh laufen, an deren Projektierung, Belieferung und Bau ich beteiligt war. Meine Firma und ich als Generaldirektor unterlagen der russischen Jurisdiktion und ich lernte schnell, damit umzugehen. 

Als es allerdings um den Bau von Blockheizkraftwerken und Anlagen zur Gewinnung alternativer Energien und Energie aus Biomasse ging, war eine gehörige Portion Mut nötig, denn einige Objekte sollten im Rahmen der Konversion ehemaliger geschlossener Städte sowie in von Strom und Gas isolierten Orten realisiert werden. Dieses doppeldeutige Thema setzt sich heute auch bei den aktuellen ökologischen Projekten der Abwasser- und Müllaufbereitung fort. Wer vor diesen Problemen zurückschreckt, hat schon die Zukunft verspielt.

Verständnis und Anpassung als Aktiva im Russlandhandel

Auch vor der neuen Sanktionsära gab es beim Export nach Russland erhebliche Aufwände bei der Vorbereitung der Lieferungen und Dokumente. Die klassische Ignoranz europäisch verwöhnter Firmenchefs ließ grüßen. (Das haben wir immer so gemacht. Die Russen sollen sich nicht so haben. Wir haben gar keine Zeit und Leute für die Zusatzarbeit. usw.) Es hat damals schon Mühe gekostet, bestimmten Firmen klar zu machen, dass an Stelle eines Angebots mit Gegenzeichnung des Kunden ein zweisprachiger Vertrag (ausführlich oder mit Anlagen) unumgänglich ist. Mit Unterschriften und Stempeln in blauer Farbe! Dazu Rechnungen, deren Wortlaut mit dem Vertragstext übereinstimmen musste. Eine Herausforderung für den Geschäftsführer und den/die zuständige(n) Sachbearbeiter(in), vor allem, wenn alle Dokumente händisch erstellt werden mussten, weil die Buchhaltungssysteme dafür nicht ausgelegt waren.

Noch schlimmer war es bei den Verpackungen und Ladungsvorbereitungen. Packlisten mit Fotos und technischen Daten sowie Materialangaben, genaue Packmasse und Gewichte jedes einzelnen Colli und manchmal auch jedes einzelnen Werkzeuges überforderten oft das Verständnis der Auslieferungs- bzw. Versandabteilungen. Gewöhnt waren diese auch, nach eigenen transporteffizienten Vorstellungen zu packen, nicht aber nach 2 Zolltarifnummern zu trennen. Verpackungen öffnen und den Inhalt fotografieren, dann wieder verschließen und exakt beschriften – das entschied oftmals darüber, wie lange ein LKW bei der russischen Zollstation stand und ob er u.U. auch mal wieder zurück musste.

Es kostete viel Mühe, manchen Exporteuren verständlich zu machen, dass die von ihnen angegebenen Zolltarifnummern manchmal nicht mit dem russischen „Zollcode“ übereinstimmten. Früher ließ sich das manchmal „regeln“. Heute, wo die Importzölle eine wesentliche Einnahmequelle des russischen Staates sind und die einzelnen Zollposten konkreten Vorgaben unterliegen, ist es unumgänglich, dass Warenbeschreibungen, Mengen-, Größen- und Gewichtsangaben, Preise und Zolltarifnummern in Verträgen, Vertragsbeilagen, Rechnungen und Packlisten sowohl mit der Ladung als auch den Export- und Importdeklarationen übereinstimmen.

Ebenso muss berücksichtigt werden, dass für jede Ware mit eigenem Zoll auf russischer Seite ein mittlerer Preis fixiert ist, um Importzölle und Mehrwertsteuer zu erheben. Liegt der Preis darüber, freut sich der Zoll. Liegt er erheblich drunter, gibt es Probleme. Ein Einkauf zu Discountpreisen kann dem Importeur teurer kommen, wenn diese Ware schon für einen höheren Preis eingeführt wurde. Außerdem entsteht sofort der Verdacht unrechtmäßiger Zahlungen in das Ausland. Früher wurden oft aus verschiedenen Gründen Paketpreise vereinbart, d.h., Projektierung, Engineering, Montage und Inbetriebnahme (und nicht nur das) in den Warenpreis eingerechnet.

 

Bericht zum 11. deutsch-russischen Unternehmerkongress 2018 in Berlin.

11. Unternehmerkongress Deutschland-Russland 2018

Ein Blick nach Osten – Brücken bauen statt Mauern errichten

Teaser: In verschiedenen Arbeitsgruppen wie Raumfahrt, Telekomunikation, Finanzierung und Energie trafen sich führende Vertreter der Wirtschaft aus beiden Ländern zu intensiven Gesprächen. Auch bekannte Gesichter aus der Politik waren zahlreich vertreten. Hauptthemen waren vor allem die europäischen und US-Sanktionen und die damit einhergehende geringe Rechtssicherheit.

Ein deutsch-russischer Unternehmerkongress, der seit 11 Jahren stattfindet, ist ein gutes Zeichen für die Stabilität deutsch-russischer Wirtschaftsbeziehungen in instabilen Zeiten. Diese Leitveranstaltung des Verbandes der Russischen Wirtschaft in Deutschland fiel ungewollt zusammen mit der Abschlussveranstaltung des Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaften und dem Besuch des russischen Aussenministers in Berlin. Das Timing erlaubte es, insbesondere die Statements von Matthias Platzeck, Heiko Maas und Sergey Lawrow als krönenden Abschluss zweier hochinformativer Tage zu erleben. Da konnte man schon mal vergessen, dass Angela Merkel zeitgleich in Estland die Aufrechterhaltung der europäischen Russlandsanktionen bekräftigte.

Das Programm des Unternehmerkongresses war reichhaltiger als das Buffet. Mit profunder professioneller Besetzung stillte dieses Programm nicht nur den Hunger auf Neues, sondern auch auf notwendige Bestätigungen des Bewährten.

Es umfasste folgende Themen:

  • Russische Grossunternehmen als Partner des deutschen Mittelstandes
  • Regionale Zusammenarbeit
  • Raumfahrt und Telekommunikation
  • IT & Digitalisierung
  • Energie
  • Finanzierung
  • Rechtssicherheit und Rechtsdurchsetzung in Russland
  • Vertrieb und Steuern im Russlandgeschäft
  • Konformitätserklärungen in der Eurasischen Wirtschaftsunion
  • Investitionsanreize für ausländische Investoren
  • Sanktionen und Gegensanktionen

Deutsch-Russische Unternehmungen trotzen wirtschaftlichen und politischen Umständen

Inhalt und Ton der Beratungen, Seminare und Plenen waren unaufgeregt, sachlich und stets nach vorne orientiert. Die deutsch-russischen Unternehmerbeziehungen haben sich dank der Initiative ihrer deutschen und russischen Akteure so gut entwickelt, dass sie sowohl die vor zehn Jahren ausgebrochene Bankenkrise als auch die vor vier Jahren ausbrechenden politischen Turbulenzen „abgewettert“ haben bzw. gelernt haben, damit umzugehen. Auch die verständlichen Bemühungen des russischen Staates, die Importablösung mittels lokaler Produktionsentwicklung voranzutreiben, wurden mehrheitlich nicht beklagt, sondern auf Chancen für deutsch-russische unternehmerische Initiativen analysiert. Gerade die Errichtung und Rekonstruktion von Produktionsstätten in Russland als Joint Venture Unternehmen, die Beteiligung deutscher Unternehmen an der dringend notwendigen Fachkräfteausbildung in Russland und die Nutzung des Exportstandortes Russland für den Eurasischen Wirtschaftsraum aber auch für Europa und Drittstaaten sind nur einige Hinweise für das weitere Miteinander in den deutsch-russischen Unternehmensbeziehungen.

Vorsichtiger Optimismus in Hinblick auf deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen

Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Energie, MdB Klaus Ernst, verbreitete sogar ein wenig Optimismus hinsichtlich des regierungspolitischen Wohlwollens gegenüber russisch-deutschen Unternehmerbeziehungen. Starke Aussagen kamen auch vom Geschäftsführer des Ostausschusses – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms. Vielfach wurde aber auch die Frage aufgeworfen, warum aus der deutschen Wirtschaft keine massiveren Forderungen an die Bundesregierung kommen, die Behinderungen in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen abzubauen.

US-Handelskrieg und Sanktionen bedrohen deutschen Mittelstand

Der Abschlussworkshop zu Sanktionen und Gegensanktionen brachte es dann auf den Punkt. Beklagten früher deutsche Unternehmen mangelnde Rechtssicherheit in Russland, so stehen sie jetzt vor der bisher grössten Rechtsunsicherheit in Deutschland und der EU ohne Aussicht auf wirksamen Schutz durch die deutsche und europäische Politik und Justiz. Es gibt keinen wirksamen Schutz vor der exterritorialen Anwendung der US-amerikanischen juristischen Sanktionsinstrumente. Die neue “lex Deripaska” von April 2018 und das CAATSA – sind ein Damoklesschwert für die deutsche Wirtschaft. Inzwischen lassen sich zwar immer mehr Firmen, die im Russlandgeschäft tätig sind, dazu beraten. Es gibt aber keinen Aufschrei gegen diesen Beginn eines US-amerikanischen Handels- und Wirtschaftskrieges, der sich letztlich gegen Deutschland und Europa richtet. Es ist eine neue Herausforderung für deutsche Mittelständler, die sich bisher compliancegebremst, datenschutzverunsichert, sanktionsbeschädigt und bankenverlassen um die Zukunft ihrer Familien und Mitarbeiter bemühten.

Berlin, den 13. und 14. September 2018

Siegfried Fischer

Verbandsbeauftragter für Russland

Zusammenarbeit des Verbandes mit den SICA Staaten

Am 09.08.2016 fand in den Räumen der Bundesgeschäftsstelle im Haus der Bundespressekonferenz eine Zusammenkunft mit der Botschafterin der Republik Nicaragua, Karla Luzette Beteta Brenes , der Geschäftsführerin der Deutsch- Dominikanischen Handelskammer Santo Domingo, Frauke Pfaff , der Agentur für Wirtschaft & Entwicklung im BMZ, Ian Lachmund sowie Vertretern und Mitgliedern des Bundesforum Mittelstand statt.

Inhaltlich wurde die Zusammenarbeit des Verbandes mit den SICA Staaten, Bundesministerium für Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung (BMZ)und mittelständischen Unternehmen beleuchtet und der 4. Außenwirtschaftstag des Verbandes am 23.09.2016 für das Forum Zentral- und Mittelamerika abgestimmt.

Ludwig Klaus, Vorstandsvorsitzender


Im Bild v.l.: Michael Preißel, Geschäftsführer MP-Tec GmbH & Co.KG, Frauke Pfaff, Geschäftsführerin Deutsch-Dominikanische Handelskammer, Ludwig Klaus, Vorstandsvorsitzender, Axel Hübner, Mitglied der Bundesgeschäftsführung, Außenwirtschaftsberater, Karla Luzette Beteta Brenes, Botschafterin Republik Nicaragua, Ralf Richter, Bereichsleiter Software RCS GmbH, Hans- Günter Richter, Geschäftsführer RCS GmbH, Stefan Schmitz, Leiter Außenwirtschaft, Bundesforum Mittelstand

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