Von Lissabon bis Wladiwostok: Der geografische Impetus

25. Mai 2020 Aussenwirtschaft, Russland

Von Lissabon bis Wladiwostok: Der geografische Impetus

Der eurasische Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok war und ist hart umkämpft. Noch vor der Corona-Pandemie gerieten hier die Volkswirtschaften zwischen „America First“ und „One Belt, One Road“ unter Druck. Aber wo liegt für deutsche Firmen das eigene Interesse?

In der deutschen Außenhandelsbilanz liegt Russland mit rund 57,8 Milliarden Euro auf Platz 13, im Saldo jedoch mit minus 4,7 Milliarden Euro auf Platz 232. Und eines ist jetzt schon klar: Die Corona-Folgen werden nicht nur diese Exporte sinken lassen. Oder anders ausgedrückt: Etwa 45 Prozent der mittelgroßen deutschen Firmen sind existenzgefährdet.

Gut 4.000 deutschen Firmen sind derzeit in Russland aktiv. Der Corona-Stillstand dürfte auch sie schädigen. Andererseits sind die unter der neuen russischen Regierung initiierten wirtschaftlichen Förder- und Entwicklungsprogramme mit dem Blick auf die Überwindung der Krisenfolgen ein echtes Angebot insbesondere auch für deutsche KMU, die nicht in die US-amerikanischen und chinesischen Mühlen geraten wollen.

Hier lohnt ein Blick in die Außenhandelsbilanzen des vergangenen Jahres, die Deutschlands Abhängigkeiten sehr gut zeigen: 2019 gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den USA mit einem Außenhandelsumsatz von zirka 190 Milliarden Euro auf der einen Seite und China mit einem Außenhandelsumsatz von 205,7 Milliarden Euro auf der anderen Seite. Zugleich konnte die deutsche Wirtschaft im Saldo gegenüber den USA ein Plus von rund 47 Milliarden Euro verzeichnen, gegenüber China stand ein Minus von 13,7 Milliarden Euro.

Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass die massiven Eingriffe der USA in die Weltwirtschaft – sei es durch Zölle, Sanktionen oder Boykotte von internationalen Regularien – im Gefolge der aktuellen Wirtschaftskrise nicht weniger werden. Zugleich wird das coronageschädigte China seinen politisch implementierten wirtschaftlichen Aufschwung nicht ohne neue expansive Praktiken verfolgen. Beide Global Player werden ihren eigenen Weg durch die pandemische Weltwirtschaftskrise finden. Für beide ist der eurasische Wirtschaftsraum unverzichtbar – jedoch vorrangig als Lieferant und Absatzmarkt. Und je gespaltener, desto besser.

Darauf muss Europa, müssen deutsche Firmen eine Antwort finden. Leider gibt es von Lissabon bis Wladiwostok kein gebündeltes Vorgehen, weder zur Entwicklung eines Binnenmarktes, noch zum Schutz gemeinsamer außenwirtschaftlicher Interessen. Selbst in dem von der EU geprägten westlichen Randgebiet Eurasiens offenbaren sich im Corona-Schlaglicht gefährliche Schwachstellen und Risse in den wirtschafts- und finanzpolitischen Regularien zwischen den Nord- und Südstaaten sowie den osteuropäischen Neuzugängen, ganz zu schweigen von der anhaltenden Ausgrenzung Russlands als eurasischem Brückenstaat.

Im wohlverstandenen eigenen wirtschaftlichen Interesse muss hier eine Kehrtwende erfolgen. Die Politik muss dem geografischen Impetus des eurasischen Wirtschaftsraums endlich folgen. Denn die Wirtschaft und die Menschen sind dazu bereit, wie eine Forsa-Umfrage vom März diesen Jahres zeigt: So sprachen sich 55 Prozent für eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Russland aus und 61 Prozent gaben zugleich an, für eine engere Zusammenarbeit der EU mit den östlichen Nachbarn zu sein – im Rahmen eines gemeinsamen Wirtschaftraums von Lissabon bis Wladiwostok. Es ist Zeit zu handeln.

Dr. Siegfried Fischer
Russlandbeauftragter des Bundesforums Mittelstand e.V.

Forsa-Umfrage zur Meinung der Deutschen: Russland als Wirtschaftspartner

7. April 2020 Russland

Die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland intensivieren

Würden Sie es befürworten, wenn die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Russland künftig intensiviert würden?

Forsa Umfrage Corona Krise Einreisesperren

Trotz der gegenwärtigen Spannungen befürworten die meisten Deutschen eine Annäherung der Bundesrepublik an Russland. Ein russlandfreundlicherer Kurs würde bei Wählern und Mitgliedern vieler Parteien Unterstützung finden.  Die meisten Deutschen wollen, dass die EU die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wieder intensiviert. Nach den Ergebnissen dieser aktuellen Forsa-Umfrage (März 2020) stimmen 55% der Deutschen dieser Aussage zu. 28 Prozent der befragten Menschen hingegen möchten, dass die EU sich von Russland distanziert. 17 Prozent der Deutschen können oder möchten auf diese Frage keine Antwort geben. Diese Umfrage wurde von der Forsa im Auftrag des Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft e.V.  durchgeführt.

Aus aktuellem Anlass: Corona-Krise - Verständnis für Einreisesperren gegen Deutsche

Haben Sie Verständnis, dass Länder wie Russland Einreisesperren für Reisende aus Deutschland erlassen haben?

Forsa Umfrage Grafik Wirtschaftsbeziehungen zu Russland intensivieren

Ein Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok

Eine engere Zusammenarbeit der EU mit den östlichen Nachbarn im Rahmen eines gemeinsamen Wirtschaftraums?

Forsa Grafik - Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok

Klares Votum gegen einseitige Sanktionen der USA

Finden Sie es in Ordnung, dass die USA ohne Abstimmung mit der EU-Sanktionen u.a. gegen Russland und den Iran verhängt haben, die auch europäische Firmen betreffen?

Forsa Umfrage Grafik Votum gegen einseitige Sanktionen der USA

Ebenso klare Position gegen Nord-Stream-2-Sanktionen

Nord Stream 2 sollte auch gegen den Widerstand der USA zu Ende gebaut werden

Forsa Umfrage Grafik Nord-Stream-2-Sanktionen

Nord-Stream-Sanktionen: Ein Blick auf die Parteien

Über alle Parteigrenzen hinweg: Mehrheit für Fertigstellung von Nord Stream 2

Forsa Umfrage Parteien Anhänger Mehrheit für Fertigstellung von Nord Stream 2

USA als Energielieferant verliert deutlich an Vertrauen bei deutschen Bürgern

Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der USA als Energielieferant nimmt weiter ab. Dies zeigt diese Umfrage ebenfalls beeindruckend. Demnach glauben nur 10% der Deutschen, dass die USA ein zuverlässiger Energieversorger sind. Die Vereinigten Staaten liegen zum ersten Mal in der Vertrauens-Rangliste hinter dem Nahen Osten zurück. 14% der Deutschen glauben, dass die Länder des Nahen Ostens zuverlässigere Lieferanten sind. Laut der FSAA-Umfrage sind die Norweger nach wie vor das zuverlässigste Lieferland für Deutsche (70%), gefolgt von Kanada (44%) und Russland (41%).

Die verlässlichsten Lieferländer für Erdgas in einem Ranking:

  • Norwegen 70%
  • Kanada 44%
  • Russland 41%
  • Mittlerer Osten 14%
  • USA 10 %
  • Brasilien/Argentinien 10 %
  • Nordafrika 6%

(Mehrfachnennungen waren möglich)

Forsa Umfrage Grafik verlässlichsten Lieferländer für Erdgas

Green Deal: am besten gemeinsam mit unseren östlichen Nachbarn

Das von der EU geplante Maßnahmenpaket zum Klimaschutz sollte auch östliche Nachbarländer, wie z.B. Russland mit einbeziehen:

Forsa Umfrage Grafik Green Deal mit unseren östlichen Nachbarn

Mit Russland beim Zukunftsthema Wasserstoff kooperieren? Die Mehrheit sagt: Ja.

Sollte Deutschland mit Russland beim Thema Wasserstoff zusammenarbeiten?

Forsa Umfrage mit Russland beim Zukunftsthema Wasserstoff kooperieren

Offener Brief von Dr. Fischer zur Corona-Krise

Das Recht und die Pflicht auf Fragen zur Gestaltung der Zeit nach der Corona-Krise

Ein offener Brief von Dr. Siegfried Fischer – Außenwirtschaft-Experte des Bundesforum Mittelstand e.V.

Dr. Siegfried FischerDeutschland befindet sich im Ausnahmezustand, um die Corona-Pandemie möglichst verlustarm zu überstehen. Noch ist unklar, ob die staatlich verordneten ökonomischen und sozialen Verluste gegenüber den realen und vermuteten (direkt durch Corona verursachten) Verlusten gerechtfertigt sind. Das wird sich bald herausstellen.

Unternehmen auf dem Prüfstand – Krisenmanagement mit Blick in die Zukunft

Klar ist aber, dass diese Krise alle Unternehmen zwingt, Verluste zu minimieren und Existenzen zu retten. Sie stellt jeden Unternehmer sowie alle Geschäftsstrukturen und Geschäftsperspektiven auf den Prüfstand. Das Ergebnis wird sich zeitnah zeigen. Mehr als je sind Krisenmanager in Politik und Wirtschaft gefragt. Ein Krisenmanagement jedoch, das nur auf Sicht fährt und den Übergang auf die Zeit danach aus dem Blick verliert, ist kaum weniger gefährlich als der Krisenverursacher. Das gilt umso mehr für die Wirtschaft als Grundlage von Staat und Gesellschaft.

Milliardenschwere Hilfstherapie des Staates kann nicht die alleinige Lösung sein

Die Bundesregierung versucht, die von ihr angeordneten Verluste mit einem milliardenschweren Hilfspaket für KMU und Großunternehmen abzufedern. Dieses Geld wurde vorher erwirtschaftet und auch die vom Staat neu aufgenommenen bzw. aufzunehmenden Schulden müssen wiederum erwirtschaftet werden. Diese Therapie kommt der Wirtschaft teuer zu stehen.

Echtes Unternehmertum muss deshalb nicht gebannt wie ein Kaninchen auf die Corona-Schlange und auf den Mannafall vom Himmel schauen, sondern die Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft schlagen. Dazu gehört auch der Mut, die Ursachen und Bedingungen bisherigen Handelns auf ihren Bestandswert zu hinterfragen.

Die wichtigste Erkenntnis aus der Corona Krise ist jedoch bereits offensichtlich: Es gibt keine ewigen Wahrheiten und kein starres Festhalten an Dogmen und früheren Festlegungen. Sie stehen alle auf dem Prüfstand unserer Gegenwart und Zukunft. Und deshalb ist das Recht auf Fragen gerade jetzt eine Bürgerpflicht, die man nicht dem Stammtisch, der Straße, den Medien und den Populisten überlassen darf.

Als Unternehmer sollte sich jeder zumindest fragen:

  • Haben wir Standortbedingungen effektiv genutzt?
  • Haben wir Standortverlagerungen allseitig durchdacht?
  • Haben wir naheliegende Märkte ungenutzt gelassen?
  • Haben wir Lieferketten überdehnt?
  • Haben wir zu sehr auf Freizügigkeit von Arbeitskräften vertraut?
  • Haben wir zu sehr auf grenzüberschreitende Logistikeffizienz vertraut?
  • Haben wir genug in die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens investiert?

Als Unternehmervertreter müssen wir uns zumindest fragen:

  • Haben wir die negativen Seiten der neoliberale Globalisierung nicht gesehen und unseren lokalen, regionalen und nationalen Versorgungsauftrag ignoriert?
  • Haben wir uns widerstandslos der globalen Gewinnphilosophie der Finanzwirtschaft und der US-Dominanz der Finanzinstitutionen unterworfen?
  • Haben wir uns zu sehr den parteipolitisch und ideologisch motivierten Wirtschaftsbeschränkungen im nationalen wie im EU-Rahmen unterworfen?
  • Haben wir ausreichend gegen den wachsenden Bürokratie- und Energieaufwand für Unternehmen in Deutschland und der EU protestiert?
  • Haben wir ausreichend gegen eine wirtschaftsschädigende Sanktionspolitik der Bundesregierung protestiert?
  • Haben wir zu wenig getan, um die Chancen eines einheitlichen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok zu nutzen?

Nicht auf alle diese und weitere Fragen wird es einfache und schnelle Antworten geben. Wenn wir sie aber nicht stellen, woher wollen wir dann wissen, ob Vergangenes zukunftsfähig ist? Als Bundesforum Mittelstand ermutigen wir deshalb ausdrücklich alle Unternehmer, ihr Recht und ihre Pflicht wahrzunehmen, sich selbst und allen politischen Entscheidungsträgern auch unbequeme Fragen über die Gestaltung unserer Zukunft zu stellen. Wir werden alle dabei unterstützen.

Dr. Siegfried Fischer

Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen im aktuellen Fokus des Bundesforums Mittelstand

Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen im aktuellen Fokus des Bundesforums Mittelstand

Russische und deutsche Flagge ineinander verzahnt

POLYTECH-TREFFEN 2020 „Deutschland-Russland: Digitale Transformation“

Am 07. Februar ging es beim POLYTECH-TREFFEN 2020 um „Deutschland-Russland: Digitale Transformation. Dialog zwischen Universitäten und Industrie“. Ein hochkarätiges Treffen in der russischen Handelsvertretung mit einer brillanten Präsentation der Kapazitäten und Angebote der Sankt Petersburger Polytechnischen Universität, gerichtet an deutsche Universitäten und Firmen. Von deutscher Seite hoch gewürdigt von Michael Harms, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung des Ostausschusses/Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft. Das russische Humankapital auf dem IT-Sektor ist weltweit anerkannt. Auch wenn es von russophoben politischen und medialen Stimmen oftmals auf Hackerqualitäten reduziert wird. Russische IT-Spezialisten sind jedenfalls auch ein Gewinn für deutsche Firmen, sowohl als Angestellte als auch in vertraglicher Kooperation zwischen deutschen und russischen Firmen. Wir beraten Sie gerne!

  1. Russlandkonferenz der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer „Innovation als Wachstumsmotor“

Am 18. Februar ging es auf der 7. Russlandkonferenz der Deutsch-Russischen AHK um „Innovation als Wachstumsmotor“. Im Gegensatz zu den letzten Jahren reichten die beiden Säle im Haus der Deutschen Wirtschaft kaum aus. Die Einleitungen durch den deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier und den russischen Minister für Industrie und Handel Denis Manturov sowie das Statement vom Präsidentenberater für Wirtschaft Maksim Oreshkin brachten es auf den Punkt: Russland gehört zu Europa und Europa braucht Russland zur souveränen wirtschaftlichen Entwicklung. Deshalb gab es auch weitere Unterschriften namhafter deutscher Firmen unter das Memorandum „Einheitlicher Wirtschaftsraum von Lissabon bis Vladivostok“.

So deutlich wie nie erklang die Forderung nach Abbau der europäisch-russischen Sanktionsspirale. So deutlich wie nie wurden die amerikanischen Sanktionen als unberechenbar, antirussisch und antieuropäisch gekennzeichnet. Am deutlichsten äusserte sich der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Mecklenburg-Vorpommern Christian Pegel. Er stellte aber auch den Irrsinn deutscher und europäischer Parlamentarier und Politiker bloß, die aus russophober und transatlantischer Arroganz sich gegen lebensnotwendige Kooperationen mit Russland, insbesondere auf dem Energiesektor wenden.

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer: Mehr Freiheit wagen

Trotzdem blieb der Eindruck, dass die obere deutsche Politikebene weiter vor sich hin werkelt und weder die Gefahren der chinesischen Virusattacke auf die Weltwirtschaft noch der US-amerikanischen wirtschafts- und finanzpolitischen Attacke auf die Globalisierung erfasst und sich nicht entschlossen genug europäische Bündnispartner in Ost und West sucht, um das Wohlergehen des deutschen Volkes nachhaltig zu schützen. Darüber tröstet auch nicht hinweg, dass wir im Narrenmonat sind. Das deutsche Narrenschiff nimmt Kurs weg von der Insel der Glückseligen auf das digitale Bermudadreieck. Selbst die seit Jahren geforderten Visaerleichterungen insbesondere für junge Menschen werden von der Bundesregierung nicht energisch betrieben, sondern lediglich von der Gebetsmühle an der Maas wiederholt. Mehr Freiheit wagen forderte deshalb die deutsch-Russische AHK in aller Klarheit. Das ist auch im Sinne unseres Verbandes.

Sanktionen- und Regulierungsbestimmungen erfordern Expertenwissen

Sehr deutlich wurde dagegen, dass die Regierungsumbildung in Russland zu mehr Expertise und zu klareren Ansagen für eine Stimulation der einheimischen Wirtschaft und unter Nutzung der Innovationskraft deutscher Unternehmen führt. Erste Anpassungen der Lokalisierungsforderungen werden sichtbar. Investitionsgrenzen werden gesenkt, um auch kleineren und mittelständischen Betrieben Chancen zu geben. Andererseits fordert die russische Regierung Kooperations- und Liefersicherheit gegen ausländische politische Kapriolen. Das muss ausdiskutiert und auf Augenhöhe verhandelt werden. Jedenfalls scheint die Sprachlosigkeit der letzten Jahre überwunden. Eine Sprachlosigkeit, die es aber in den Wirtschaftsverbänden nie wirklich gegeben hat, auch wenn manche Personen Mühe hatten sich vom gestreamten Mediensprech zu entfernen.

In den Diskussionen und Seminaren der 7. Russlandkonferenz zeigte sich jedoch sehr deutlich, dass die an Kooperation interessierten Firmen auf beiden Seiten unbedingt Hilfestellungen für die Geschäftsanbahnung und -abwicklung brauchen. Die Unterschiede in der Geschäftskultur und der nicht einfacher werdende Dschungel von Sanktions- und Regulierungsbestimmungen ist ohne Expertenunterstützung nur schwer zu bewältigen. Umso weniger von kleinen und mittelständischen Betrieben, die immer mehr adäquate Partnerfirmen in den verschiedenen Regionen Russlands finden können, wenn sie denn wollen. In diesem Sinne war die 7. Russlandkonferenz auch für unser Bundesforum Mittelstand ein Gewinn, weil wir unsere zum Teil langjährigen Kontakte zu anderen Wirtschaftsverbänden und Experten in Deutschland und Russland festigen und erweitern konnten. Dieses „come together“ ist ein Plus für alle unsere Mitglieder, die nicht nur Russland im Fokus haben.

Dr. Siegfried Fischer

Berlin, den 19.02.2020

Dr. Siegfried Fischer

Verbandsbeauftragter Russland

Des Bundesforums Mittelstand e.V.

Kommentar zur Nordstream 2 Pipeline

Nordstream 2 - US-Sanktionen blockieren russische Ostsee-Pipeline

Ein Kommentar von Dr. Siegfried Fischer

1. Am gleichen Tag, als der Gastransport durch die Ukraine für die nächsten 5 Jahre durch deutsche und europäische Vermittlung vereinbart wurde, unterschrieb Trump den „National Defense Authorization Act“, der den Abschnitt „Protecting Europe’s Energy Security Act of 2019“ enthält und der Nord Stream 2 als russisches Projekt zur Bedrohung Europas bezeichnet.

Um nicht in die gleiche missliche Lage wie die Reagan-Administration 1981 mit ihren letztlich gescheiterten Sanktionen gegen die Euro Siberian Pipeline zu kommen, zu denen Margaret Thatcher sagte „I feel deeply wounded by a friend“, hat die US Administration diesmal aus Fehlern gelernt und die Sanktionen nicht gegen Staaten gerichtet, sondern gegen schutzlose Privatfirmen, insbesondere gegen die Swiss Allseas Group, die die letzten fehlenden Kilometer der Pipeline Nord Stream 2 mit ihren beiden Spezialschiffen in 30 Tagen verlegen könnte.

Da Allseas von den beiden Initiatoren dieser Sanktionen, den Senatoren Ted Cruze und Ron Johnson aus den beiden Fracking-Hochburgen Texas und Wisconsin, direkt und öffentlich mit der kommerziellen und finanziellen Vernichtung bedroht wurde, stellte Allseas sofort die Arbeit an der Pipeline ein. Allseas erklärte, dass die Firma auf regulatorische, technische und ökologische Anweisungen der betreffenden US-Behörde wartet. Das ist nur ein Vorwand, um das Gesicht zu wahren und keine Konventionalstrafe zu bekommen. Zwar ließe das betreffende Gesetz einen Zeitraum von 30 Tagen zu, würde aber bei nachgewiesenem Verstößen auch rückwirkend angewandt werden können. Außerdem gibt es in diesem Gesetz bewusst keinerlei regulatorische und technische Vorgaben, wie bei allen derartigen exterritorialen Sanktionen.

Fazit: Die Fertigstellung von Nord Stream 2 ist vorerst blockiert! Wenn es der Nord Stream 2 AG nicht gelingt, schnellstens adäquate Ersatzschiffe zu bekommen oder vielleicht die beiden Allseas Schiffe zu kaufen, dann wird viel Zeit ins Land gehen.

2. Der US-Botschafter in Deutschland Grenell sagte, dass dieses Gesetz kein antieuropäisches, sondern ein proeuropäisches sei, weil sich viele Europäer an die US-Regierung mit der Bitte um Hilfe gegen dieses deutsch-russische Projekt gewandt hätten. Das heisst also, dass russisches Gas, welches durch polnische und ukrainische Pipelines nach Europa kommt, bedroht Europas Sicherheit nicht, wohl aber das Gas, das durch Nord Stream und Turkish Stream kommt. Folglich ist diese Sanktion eine antirussische und antideutsche, die unsere polnischen und baltischen Partner sowie die Ukraine von den USA erbeten haben. Sie sind die wahren Verbündeten der USA in einem Europa, wo Frankreich und Deutschland zu eigenständig werden könnten. Somit wollen die Fracking Industry Vertreter Cruz und Johnson, die im Auswärtigen Ausschuss sitzen, nicht nur „ihr“ Flüssiggas nach Europa verkaufen, sondern auch in Übereinstimmung mit allen anderen republikanischen und demokratischen Hegemonialapologeten Europa von einer irgendwie gearteten Partnerschaft mit Russland abhalten.

“To keep Russia down” ist in den Augen dieser Strategen untrennbar verbunden mit „To keep Europe small enough to be leaded by America “, denn nur so erwächst in und mit Europa kein neuer konkurrierender bzw. eigenständiger Global Player.

Fazit: Diese Anti Nord Stream 2 Sanktion ist die perfekte Verbindung von US-amerikanischer Energiepolitik und Geopolitik und verdeutlicht den US-amerikanischen Hegemonialanspruch gegen Partner und potenzielle wie reelle Gegenspieler.

3. Die Bundesregierung verurteilt zwar den Eingriff in die inneren Angelegenheiten (ob nun mit Merkel’scher Klarheit oder Maasschem Weichspülersprech), will, wird und kann aber keine Gegensanktionen verhängen. Zum einen gibt es genügend deutsche Transatlantiker, die das Projekt von Anfang an bekämpften und sich nun für diese Unterstützung bedanken. Sei es aus Amerikahörigkeit, sei es aus Angst, dass die neuen amerikahörigen Osteuropäer Deutschlands Position schwächen könnten.
Zum anderen kann die deutsche Regierung deutsche Unternehmen nicht in einer von der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzkraft dominierten Weltwirtschaft schützen, weil sie seit Jahren zumeist saft- und kraftlos auf der internationalen politischen Bühne agiert und die wirtschaftliche Stärke des Landes nicht als Aktivposten einsetzt. Das Gleiche gilt noch viel mehr für die Europäische Union, die wirtschaftlich kraftlos, innenpolitisch zerstritten und außenpolitisch ein Popanz ist. Hinter der sprachlichen Verurteilung der neuen Sanktion gegen eine legale europäische Firma als Eingriff in die europäische Souveränität, steht nichts als leere Luft.

Fazit: Weder die Bundesrepublik Deutschland noch die EU besitzen ausreichende reale Souveränität, um die von ihnen definierten eigenen Interessen gegen US-amerikanische Übergriffe zu schützen.

4. Russland gibt sich zwar kämpferisch in Worten, hat es aber in den letzten Jahren nicht verstanden, mit einer flexiblen Energie- und Geopolitik die US-amerikanische Dominanz und Allianz geschickt zu unterlaufen. Das ist aber ein eigenes Thema, das ich in der Kürze nicht behandeln kann und will.

Berlin, den 23.12.2019

Dr. Siegfried Fischer
Senior Fellow
Institut für Internationale Politik

Russlandhandel im Wandel – Ein Kommentar von Russlandexperte Dr. Siegfried Fischer

Russlandhandel im Wandel

Ein Kommentar von Russlandexperte Dr. Siegfried Fischer

Trotz aller Krisen und Konflikte hat sich bis in die heutige Zeit die Wirtschaft als stärkste Brücke zwischen Russland und der EU erwiesen.“

So heisst es im Positionspapier des Ostausschusses/Osteuropavereins vom Januar 2019, welches eine neue Agenda für die europäisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen anregt.

Was hindert uns an der Entwicklung?

Erstens: Solange die Bundesregierung mit ihrem Festhalten an der antirussischen Sanktionspolitik die Interessen auch und vor allem mittelständischer Unternehmen und deren Angestellten schädigt, müssen deutsche Unternehmer und deren Verbände einen politischen Kurswechsel einfordern, der dem wirtschaftlichen Gewicht und den wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in der EU und der Welt entspricht. Dazu gehört sowohl eine massive Verurteilung der exterritorialen Anwendung der US-Sanktionsgesetze als völkerrechtswidrig, als auch das Eintreten für die Beendigung der EU-Wirtschaftssanktionen.

Zweitens: Insbesondere die Bundesregierung hat nicht nur zugelassen, dass eine überbordende Bürokratie nationaler und europäischer Herkunft den Stein auf dem geplagten klein- und mittelständischen Sisyphus immer schwerer macht, sondern außerdem weder die reale noch die digitale Infrastruktur an den neuen Schwerlastbetrieb angepasst. Die deutschen KMU müssen immer mehr nichtproduktives Personal einstellen oder für schwer erarbeitetes Geld outsourcen. Das wird nun noch getoppt durch das Damoklesschwert sanktionsbedingter nationaler und völkerrechtswidriger amerikanischer Strafandrohungen.

Drittens: Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für das Russlandgeschäft bei vielen KMU ist eine interne Realitätsverweigerung der besonderen Art aus Ignoranz und Bequemlichkeit. Die reale Abwicklung des Russlandgeschäftes unterliegt einem ständigen Wandel, ob nun krisen- oder sanktionsbedingt oder einfach nur wegen des Drangs nach ständiger Selbstbefriedigung der bürokratisch-administrativen Strukturen auf beiden Seiten. Es geht um die ganze Palette wirtschaftlicher Unternehmungen in Russland aber insbesondere um den täglichen Wahnsinn der Export-Import-Abwicklung, was Unternehmer und keine Bedenkenträger braucht.

Wie geht man mit diesen Herausforderungen um?

Es war einmal in nichtferner Vergangenheit, als sich deutsche Unternehmer nicht fragen mussten, ob ihr ziviles Exportgut nach Russland in USD oder über Drittländer bezahlt wurde, ob es nicht vielleicht vom Militär genutzt werden könnte oder ob der oder die Gesellschafter der Empfängerfirma nicht ein- oder mehrstufig mit sanktionierten Personen verwandt sein könnten. In unserer schlimmen Vergangenheit musste man einen Ariernachweis erbringen. Heute kann die US-Justiz einen an Absurdität nicht zu überbietenden politischen Gentest verlangen. Und sie kann Firmen, die Exporte und Importe in USD und über Drittländer bzw. Korrespondenzbanken abwickeln, ruinieren. 

Ganz zu schweigen vom Umgang mit deren Eigentümern und Managern. Um einigen europäischen Firmen auf dem russischen Markt zu helfen, hatte ich als unbescholtener deutscher Bürger eine russische Firma gegründet und zum Beispiel Material für Sportstätten importiert und dieselben dann mit meinen russischen Mitarbeitern gebaut. Dazu gehörte u.a. eine Eisbahn, auf der auch Shoigu und Putin Eishockey spielten. Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viele Militärangehörige auf den beiden weltgrössten mobilen Eisbahnen Schlittschuh laufen, an deren Projektierung, Belieferung und Bau ich beteiligt war. Meine Firma und ich als Generaldirektor unterlagen der russischen Jurisdiktion und ich lernte schnell, damit umzugehen. 

Als es allerdings um den Bau von Blockheizkraftwerken und Anlagen zur Gewinnung alternativer Energien und Energie aus Biomasse ging, war eine gehörige Portion Mut nötig, denn einige Objekte sollten im Rahmen der Konversion ehemaliger geschlossener Städte sowie in von Strom und Gas isolierten Orten realisiert werden. Dieses doppeldeutige Thema setzt sich heute auch bei den aktuellen ökologischen Projekten der Abwasser- und Müllaufbereitung fort. Wer vor diesen Problemen zurückschreckt, hat schon die Zukunft verspielt.

Verständnis und Anpassung als Aktiva im Russlandhandel

Auch vor der neuen Sanktionsära gab es beim Export nach Russland erhebliche Aufwände bei der Vorbereitung der Lieferungen und Dokumente. Die klassische Ignoranz europäisch verwöhnter Firmenchefs ließ grüßen. (Das haben wir immer so gemacht. Die Russen sollen sich nicht so haben. Wir haben gar keine Zeit und Leute für die Zusatzarbeit. usw.) Es hat damals schon Mühe gekostet, bestimmten Firmen klar zu machen, dass an Stelle eines Angebots mit Gegenzeichnung des Kunden ein zweisprachiger Vertrag (ausführlich oder mit Anlagen) unumgänglich ist. Mit Unterschriften und Stempeln in blauer Farbe! Dazu Rechnungen, deren Wortlaut mit dem Vertragstext übereinstimmen musste. Eine Herausforderung für den Geschäftsführer und den/die zuständige(n) Sachbearbeiter(in), vor allem, wenn alle Dokumente händisch erstellt werden mussten, weil die Buchhaltungssysteme dafür nicht ausgelegt waren.

Noch schlimmer war es bei den Verpackungen und Ladungsvorbereitungen. Packlisten mit Fotos und technischen Daten sowie Materialangaben, genaue Packmasse und Gewichte jedes einzelnen Colli und manchmal auch jedes einzelnen Werkzeuges überforderten oft das Verständnis der Auslieferungs- bzw. Versandabteilungen. Gewöhnt waren diese auch, nach eigenen transporteffizienten Vorstellungen zu packen, nicht aber nach 2 Zolltarifnummern zu trennen. Verpackungen öffnen und den Inhalt fotografieren, dann wieder verschließen und exakt beschriften – das entschied oftmals darüber, wie lange ein LKW bei der russischen Zollstation stand und ob er u.U. auch mal wieder zurück musste.

Es kostete viel Mühe, manchen Exporteuren verständlich zu machen, dass die von ihnen angegebenen Zolltarifnummern manchmal nicht mit dem russischen „Zollcode“ übereinstimmten. Früher ließ sich das manchmal „regeln“. Heute, wo die Importzölle eine wesentliche Einnahmequelle des russischen Staates sind und die einzelnen Zollposten konkreten Vorgaben unterliegen, ist es unumgänglich, dass Warenbeschreibungen, Mengen-, Größen- und Gewichtsangaben, Preise und Zolltarifnummern in Verträgen, Vertragsbeilagen, Rechnungen und Packlisten sowohl mit der Ladung als auch den Export- und Importdeklarationen übereinstimmen.

Ebenso muss berücksichtigt werden, dass für jede Ware mit eigenem Zoll auf russischer Seite ein mittlerer Preis fixiert ist, um Importzölle und Mehrwertsteuer zu erheben. Liegt der Preis darüber, freut sich der Zoll. Liegt er erheblich drunter, gibt es Probleme. Ein Einkauf zu Discountpreisen kann dem Importeur teurer kommen, wenn diese Ware schon für einen höheren Preis eingeführt wurde. Außerdem entsteht sofort der Verdacht unrechtmäßiger Zahlungen in das Ausland. Früher wurden oft aus verschiedenen Gründen Paketpreise vereinbart, d.h., Projektierung, Engineering, Montage und Inbetriebnahme (und nicht nur das) in den Warenpreis eingerechnet.

 

Fit für das Russlandgeschäft

28. August 2019 Aussenwirtschaft, Russland

Fit für das Russlandgeschäft

Unternehmerreise – praxisorientierte Fortbildung in Russland

Fortbildung für deutsche Führungs- und Führungsnachwuchskräfte in Russland zur Förderung von Geschäftsanbahnungen

Folgende Termine sind vorgesehen:

  • 22.09. – 05.10.2019: Uljanowsk und Nischni Nowgorod (Automotive/Maschinenbau)
  • 13.10. – 26.10.2019: Sankt Petersburg und Leningrader Gebiet (Gesundheitswirtschaft in Verbindung mit der Fachmesse Medin)
  • 20.10. – 02.11.2019: Nowosibirsk, Kemerowo und Altai (Agrarwirtschaft in Verbindung mit der Fachmesse AgroExpoSiberia 2019)

Vorbereitungsseminar

Die Aufenthaltskosten und den Transfer in Russland übernimmt die russische Regierung. Die Teilnehmer tragen die Kosten für Vorbereitung sowie die An- und Abreise nach Russland.

Eine dreitägige fachliche und interkulturelle Programmvorbereitung findet vom 05.-07.09.2019 sowie 19.-21.09.2019 in Bonn statt.

Die Fortbildung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt, von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und dem russischen Föderalen Ressourcen Zentrum (FRZ) Moskau koordiniert.

zur Anmeldung

Fit für Wirtschaftskooperation

Für deutsche Unternehmen bleibt Russland weiterhin ein wichtiger Exportmarkt und Investitionsstandort – trotz schwieriger geopolitischer Lage und wirtschaftlicher Herausforderungen. Gegenwärtige EU-Sanktionen, niedrige Ölpreise und ein volatiler Rubel belasten die Wirtschaftsentwicklung zusätzlich. Dennoch bietet der riesige Markt nach wie vor viele Geschäftschancen für deutsche Unternehmen – auch jenseits von Moskau. Gerade in den russischen Regionen liegen unerschlossene Wachstumspotentiale für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Unternehmen. Kooperationen sollten jedoch nicht unvorbereitet geschlossen werden. Sie bedürfen einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung – vor allem in Zeiten, in denen bewährte Geschäftsmodelle nicht mehr greifen. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Russlandkompetenzen und -erfahrung ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg.

Das Programm „Fit für das Russlandgeschäft“ bietet Führungskräften deutscher Unternehmen eine praxisorientierte Fortbildung. Es vermittelt Ihnen ein tieferes Verständnis der Geschäftspraktiken russischer Unternehmen und der russischen Geschäftskultur. Gleichzeitig erhalten Sie die Gelegenheit, vor Ort Kontakte zu russischen Unternehmen, Kammern und Verbänden aufzubauen. Dies ist eine gute Grundlage für erfolgreiche Geschäftsaktivitäten in Russland. Deutsche Unternehmen, die Führungskräfte mit dem Programm nach Russland entsenden, gewinnen so Kompetenzträger für ihr Russlandgeschäft.

Die russische Regierung und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie laden Sie zur Fortbildung nach Russland ein.

Programm, Themen und Inhalte

Während des zweiwöchigen Aufenthalts in Russland lernen Sie das Potential regionaler Märkte kennen und bauen Kontakte zu russischen Unternehmen auf.

Im Einzelnen beinhaltet das Programm:

  • Gruppen- und Individualbesuche in Unternehmen und Sonderwirtschaftszonen
  • Workshops und Trainingseinheiten zu Themen wie regionale Wirtschaftspolitik und -struktur, Marktlage, regionale Außenwirtschaftsförderung und interkulturelle Kommunikation
  • Kooperationsbörse mit russischen Unternehmen aus der Region
  • „Runder Tisch“ mit Entscheidungsträgern aus der Wirtschaftsverwaltung
  • Treffen mit Repräsentanten deutscher Auslandsvertretungen

Ziele und Nutzen

Das Programm dient der Förderung deutsch-russischer Wirtschaftskooperationen und unterstützt Sie beim Auf- und Ausbau Ihrer Geschäftstätigkeit in Russland. Seine Vorteile sind im Einzelnen:

  • Sie knüpfen Wirtschaftskontakte zu russischen Unternehmen, Entscheidungsträgern, zu Verwaltung, Kammern und Verbänden.
  • Sie besuchen russische Unternehmen und lernen dabei deren Geschäftspraxis kennen.
  • Sie erhöhen Ihre interkulturellen Kompetenzen durch Training vor Ort.

Zitat:  „Das Programm bietet nicht nur das fachliche Know-how, sondern es liefert auch die nötigen Kontakte für Geschäftsaktivitäten auf dem russischen Markt.“

Sergey Henze (Teilnehmer)

Die Programmteilnehmer

Die Fortbildung richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen und Verbänden, die für den russischen Markt zuständig sind. Voraussetzung sind Englisch- und/oder Russischkenntnisse. Deutsche Unternehmen – kleine, mittlere oder große – aus allen Branchen und Bundesländern sehen in der Fortbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Chance, Kompetenzträger für das Russlandgeschäft zu gewinnen. Sie sind daran interessiert, die wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Firma auf dem russischen Markt auf- oder auszubauen und/oder Geschäftsbeziehungen zu russischen Firmen zu entwickeln.

Russische Unternehmen, die deutsche Führungskräfte zu Unternehmensbesuchen empfangen, unterhalten bereits Außenwirtschaftskontakte bzw. sind an deren Aufbau interessiert. Sie werden entsprechend den Kontaktwünschen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt.

Vor- und Nachbereitung in Deutschland

Für den Aufenthalt nehmen Sie an einer ein- oder mehrtägigen Vorbereitung in Bonn teil. Thematische Schwerpunkte sind: Bewertung der Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen in Russland, interkulturelle Kommunikation, Unternehmenskultur in Russland, Kontaktaufnahme zu russischen Unternehmen, Vorbereitung auf Geschäftsverhandlungen, Erwartungen der russischen Partner an ihre deutschen Gesprächspartner.

Etwa ein Jahr nach dem Russlandaufenthalt findet ein ein- oder mehrtägiges Follow-up-Seminar im Rahmen der traditionellen jährlichen Deutsch-Russischen Unternehmergespräche in Bonn statt. Dort tauschen Sie sich über Ihre Russlanderfahrungen aus und bewerten die Ergebnisse der Fortbildung. Sie erhalten darüber hinaus Zugang zum Deutsch-Russischen Management Netzwerk e. V., das eng mit 64 regionalen Managernetzwerken in Russland kooperiert. Gegründet wurde der Verein von Alumni dieser Fortbildung.

Die Finanzierung

Der zweiwöchige Russland-Aufenthalt findet auf Einladung der russischen Regierung statt. Diese übernimmt alle innerhalb Russlands anfallenden Kosten für Fortbildung und Seminare, programmbedingte Transfers, Visum, Verpflegung und Unterkunft vor Ort. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tragen die Kosten für das Vorbereitungsseminar in Deutschland sowie die Reisekosten nach Russland und die Kosten für die Auslandskrankenversicherung.

Dr.-Freytag-Porträt

Bilaterales Programm

Das Projekt gründet auf der gemeinsamen Erklärung zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über die Zusammenarbeit bei der Fortbildung von Führungskräften der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation. Es wird vom Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Mit der Programmdurchführung ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit beauftragt. Nähere Informationen und Bewerbungsunterlagen finden Sie im Internet auf der Seite:

http://auslandsmaerkte.managerprogramm.de

Zitat: „Das Programm ist ein echter Türöffner.“

Besuch UNIFORCE Guatemala

Alejandro Granado, Geschäftsführer der Uniforce Guatemala und Mitglied der AHK in Guatemala City, war am 8. und 9. April 2019 in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis. Im Ergebnis der bereits 2018 begonnenen Gespräche besuchte er Unternehmen der Logistik- Branche um Kooperationen zu prüfen. Die erste Station war das Cottbuser Familienunternehmen Poredda, das bereits in der vierten Generation besteht. Die zweite Station war die LION Group in Forst/Lausitz. Hier hatte er Gelegenheit, den “FreightFinder” kennenzulernen. Dabei handelt es sich um ein Logistik Portal für transparante Transportdienstleistungen.

Deutsch-Russische Wirtschaft im Umbruch – Russland Experte Dr. Siegfried Fischer im Interview bei Sputnik News

Dr. Siegfried Fischer Interview bei Sputnik News märz19Deutsch-russische Wirtschaft fördern? „Berlin fehlt dazu die Kraft“

Der „Brexit”, Sanktionen und eine russische Wirtschaft im Umbruch: Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen stehen vor großen Herausforderungen – wie vor großen Chancen. Unser Russland-Experte Dr. Siegfried Fischer benennt im Studio-Gespräch bei Radio Sputnik die Hintergründe, die auch in der Bundespolitik liegen. 

“Die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Investitionen in Russland  – insbesondere für den deutschen Mittelstand,  sind nicht so aussichtsreich wie es zu wünschen wäre.”

„Der deutsch-russische Handel ist auf einem guten Niveau, aber leider immer noch weit entfernt von den Werten vor 2014. Auch wegen der Sanktionen.“

zum Interview auf Sputnik News